D0, 20. Oktober 2022,
20:30 Uhr, Moritzbastei

KLASSIK underground meets KAFKA

Streichquartette von Janáček und Martinů
Kafka-Rezitationen von Armin Zarbock

Die klassische Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Zeit tiefgreifenden Wandels. Die europäische Kunst emanzipierte sich von überlieferter Formenstrenge und lotete neue Ausdrucksformen aus. Österreich-Ungarn und besonders Wien und Prag waren das Epizentrum dieses Aufbruchs in der Kunst.

In das Prag der 1920er-Jahre taucht dieser KLASSIK-underground-Abend ein. Max Brod, Entdecker und Förderer Franz Kafka, war auch derjenige, der die Musik Leos Janaceks einem großen Publikum bekannt machte. Mit seinem Streichquartett Nr.1 hat der große Opernkomponist Janacek sozusagen eine Oper für vier Streicher geschaffen, dessen „Libretto“ einer Erzählung von Tolstoi entlehnt ist.

Zur gleichen Zeit wuchs im Grenzland zwischen Böhmen und Mähren ein junger Musiker heran, den man in der Kammermusik mit Recht den wahren Erben Antonin Dvoraks genannt hat: Bohuslav Martinu. In seinen wundervollen Streichquartetten, seinen Serenaden für Klarinetten und Streicher, seiner Bläser-Kammermusik mit und ohne Klavier gipfelt die tschechische Kammermusik des 20. Jahrhunderts. Heute Abend spielen Musiker:innen des Gewandhausorchesters sein Streichquartett Nr.3, das als modernstes seiner sieben Quartette gilt.

Die Verbindung zur Literatur Franz Kafkas, dessen Werk in der gleichen Epoche wie Janaceks und Martinus Musik entstand, stellt an diesem Abend der Leipziger Schauspieler Armin Zarbock her. Er wird aus ausgewählten Erzählungen Kafkas rezitieren und damit einen synästhetischen Bogen schlagen zwischen Musik und Literatur.

Leoš Janáček, Streichquartett Nr. 1
Bohuslav Martinů, Streichquartett Nr. 3

Dorothee Appelhans und Kana Ohashi, Violine
Tahlia Petrosian, Viola
Moritz Klauk, Cello
Armin Zarbock, Rezitationen